Ich stehe in einem leeren Raum. Mein süßer lieber Kater mutiert zu einer grausamen Bestie. Er greift mich an, versucht mir die Augen auszukratzen, ich ramme ihm ein Messer in die Brust und bettle ihn an am Leben zu bleiben.
Ich renne durch das Gebäude. Menschen so klein wie Ameisen, hysterisch, kreischend und blutend umher rennend. Schüsse. Dunkle Männer schwer bewaffnet. Ein Raum mit Munition. Ich stürme rein, hole Waffen raus, Falscher Aufsatz. Zu wenig Schuss, werde nervös und wühle in Schubladen. Die Tür fällt zu. Eingesperrt. Draussen läuft das Massaker ohne mich ab. Ich überlebe.
Liege verkrampft im Bett. Seitlich. Arme ausgebreitet. Decke weg. Atmen. Decke wieder drüber. Auf den Rücken drehen. Deinen Atem spüren. Deine Hand auf meinem Schenkel. Meine Hand auf deiner Boxershort. Gleich geht’s wieder los. Geilheit in seinen Augen. Seine warmen Finger, kreisend. Ich wache auf. Blick nach rechts. Schnarchendes Etwas mit dem Rücken zu mir. Lege mich auf dem Bauch, - genervt. Dein Körper an mich gedrückt, dein heisser Atem auf meinem Hals. Deine Hand über meinem Kopf streichelnd, deine warmen Lippen auf meinen. Ich wache auf. Schon wieder dieses gottverdammte Schnarchen in meinem Ohr. Die Zeit rennt um ihr Leben, die Sekunden rinnen wie zerlassene Butter durch meine Finger. Tick Tack Tick Tack. Die Uhr macht mich wahnsinnig, das Schnarchen auch. Mein Gott was ist nur los mit mir? Und was zum Teufel mache ich in diesem Bett? Kann nicht schlafen, wälze mich nur umher und wünschte, ich hätte nie etwas gefühlt.
Stehe im Zug. Toller ICE. Total überfüllt. Rege mich nicht auf, bleibe ruhig und gelassen. Menschen, wie kleine Ameisen, prügeln sich um die Plätze, genervte Blicke. ”Das darf doch wohl nich wahr sein” brüllt ein Mann. Schaue aus dem Fenster, die Bäume und Felder ziehen bereits an mir vorbei. Ich sehne mich nach dem Zuhause. Das alte, in der Heimat. Musste sofort meine Koffer packen. Alte Hinfahrt stornieren und neue buchen. 60 Euro mehr zahlen. Scheiss drauf, ich hätte auch 200 Euro mehr gezahlt. Muss sofort weg.Halte es nicht mehr aus. In meiner Haut, in meinem Kopf, in meinen Gedanken. In meinem Herz. Brauch und will das alles nicht mehr. Muss nur weg von hier. Dahin wo sich mich bedingungslos lieben. Zu meiner Familie.
Merke, dass die Tage immer mehr werden, an denen ich mich an das “Zuhause” sehne. Fühle mich nicht mehr richtig wohl in meiner Perle. Ich liebe sie, aber die Umgebung, die Eintönigkeit, die Schulden, das dauernde Herzbrechen, der ätzende Arbeit und der anhaltende G e d a n k e n f i c k machen es mir so schwer. Ich begebe mich mal wieder auf die Suche nach meinem Zuhause, es ist dort, wo mein Herz wohnt. Nein, da wo ich mich wohlfühlen kann. Ich will nicht mehr zurück nach Bayern, ich hätte nur so gerne die Chance, das alte Zuhause öfter zu besuchen. Kein enormer Geldaufwand um dorthin zu gelangen, nicht viele Stunden warten um anzukommen.
Keine Menschen oder Dinge mehr in meiner neuen Heimat die mir das Leben schwer machen. Ich liebe es dort, aber zurzeit mag ich es nicht.
Albträume plagen mich. Wache manchmal morgens auf, und höre meine Mutter in der Küche stehen. Meinen Hund draussen bellen und meinen Vater husten. Sobald ich die Augen öffne befinde ich mich in meinem Bett, und erst dann wird mir bewusst, dass ich mir alleseingebildet habe. Keine Mutter da, kein Hund, kein Vater.
Die Vorfreude steigt, noch 2 Stunden, und ich kann meinen Bruder und Mutter in die Arme schließen. 2 Stunden, und meine Unsicherheit wächst. Wie soll ich mich dort wohlfühlen wenn ich mich grad selbst so sehr hasse, mich so unglaublich unwohl fühle? Egal. Denke an meinen Kater. Er fehlt mir jetzt schon. Mein Süßer. Traurig wird der Arsch immer wenn ich weg bin. Sauer sollte er sein, das könnte ich ertragen, aber nicht das traurige Gesicht in meinen Gedanken.
13 Tage. Ohne Zigaretten. Ja ich habe geschummelt, und ab und zu doch mal eine geraucht. Aber ich hab mich nicht beschissen, ich stand dazu. ”Zigaretten, die einzige Freude in meinem Leben” so drückte ich die Sucht immer aus. Ich mochte es, nein ich liebte es zu rauchen. Die WG beschloss damit aufzuhören und ich machte mit. Allerdings war ich die erste Nichtraucherin im Haus, vor 3 Tagen folgte meine schwarze Prinzessin, doch die blonde Frau, hat am 1. Tag schon innerlich aufgegeben. Ich mag Zigaretten. Ich mag Rauchen. Und nein, ich fang nicht wieder damit an. Zumindest jetzt nicht.
Die Bäume ziehen vorbei. Die Wiesen färben sich in einem dunklem Grün. Schwarze Bäume, Gelb-Blauer Bayrischer Himmel mit wenigen Wolken. Maisfelder. Brücken. Kaffegeruch in der Nase. Wunderschöne Häuser. Wenige Menschen. Müdes flauschiges Gehirn, Pinke Platzdeckchen. Schlafende Menschen im Abteil.
Weck mich bitte auf aus diesem Albtraum.
Soundtrack: Gleise, Rascheln, Zuggeräusche, flüsternde Menschen, schreiende Gedanken, Herzklopfen